Dienstag, 14. Dezember 2010

Virtueller Adventskalender, Tag 14: Weihnachtsbräuche rund um den Globus

Sie werden dieses Jahr Weihnachten nicht zu Hause verbringen, sondern verlassen Freunde, Familie und Weihnachtsbaum, um in einem fremden Land, in einer anderen Kultur mitzuerleben, wie dort Weihnachten gefeiert wird? Oder Sie denken darüber nach? Dann hilft Ihnen vielleicht unsere Liste, wie Weihnachten rund um den Globus gefeiert wird:

Belgien und Niederlande
Der Sinterklaasavond (Nikolausabend) bleibt in den Niederlanden wichtiger, obwohl die Niederländer in den letzten Jahren ebenfalls begonnen haben, den Weihnachtsabend mit dem Weihnachtsmann zu feiern. Dies löst jedes Jahr eine kleine Kontroverse darüber aus, ab wann es angemessen ist, Weihnachten zu feiern. Ladenbesitzer beginnen mit der lukrativen Weihnachtszeit gleich nach dem Nikolaustag (Dekorationen hängen meist schon vorher), während andere befürchten, dass das „fremde“ und „kommerzielle“ Weihnachten die Nikolausfeiern zu sehr beeinträchtigt. Da der amerikanische Santa Claus nachweislich von Sinterklaas abstammt, tritt er hier also in Rivalität zu seinem Vorfahren.
Der niederländische, aber auch belgische, Sinterklaas wird wie der deutsche Nikolaus von einem Helfer namens Zwarte Piet (Schwarzer Peter) begleitet. Er trägt einen Bischofshut und stützt sich auf einen gekrümmten Stab. Man sagt von ihm, dass er das Jahr über in Spanien lebt und Mitte November mit einem Dampfschiff in den Niederlanden eintrifft, was in vielen Küstenorten jeweils nachgespielt wird. Kinder lassen ihre Schuhe vor dem Nikolausabend draußen, um sie am Morgen mit Süßigkeiten gefüllt zu finden. Dementsprechend sind der 5. Dezember in den Niederlanden und der 6. Dezember in Belgien als eigentliche Geschenktage anerkannt, während der 25. Dezember mehr ein religiöses Ereignis ist.

Finnland
Joulupukki ist der finnische Name des Weihnachtsmanns, was wörtlich „Weihnachtsbock“ bedeutet und auf die mythische Gestalt des Julbockes verweist. Dieser Ausdruck stammt aus einer Zeit, als es üblich war, sich nach dem Weihnachtsessen mit Ziegenhäuten zu verkleiden.
Heute ist der Joulupukki ein gewöhnlicher Weihnachtsmann, allerdings mit einigen Besonderheiten. Sein Wohnort befindet sich aus finnischer Sicht auf dem Korvatunturi in Finnisch-Lappland. Er kriecht nicht den Kamin hinunter, sondern klopft an Heiligabend an die Wohnungstür. Wenn er eintritt, sind seine ersten Worte jeweils: „Onkos täällä kilttejä lapsia?“ („Gibt es hier artige Kinder?“)
Er trägt rote, warme Kleidung und benutzt einen Gehstock. Er fährt auf einem Rentierschlitten zu den Häusern. Eines der Rentiere heißt Petteri Punakuono und war das Vorbild für Rudolph the Red-Nosed Reindeer. Joulupukki hat sogar eine Frau namens Joulumuori, die feinen Weihnachtsporridge zubereiten kann.
Zum traditionellen Weihnachtsessen gehören Weihnachtsschinken, Kartoffel- und Steckrübenauflauf sowie Rosolli-Salat (Rote-Bete-Salat). Als Gebäck sind Piparkakut (Pfefferkuchen) und Joulutortut üblich. Letztere sind sternförmige Blätterteigtaschen, die mit Pflaumenmus gefüllt werden. Üblich ist außerdem Glögi, ein Weihnachtspunsch, der je nach Geschmack mit oder ohne Alkohol hergestellt wird und meist mit Rosinen und Mandeln serviert wird.

Frankreich
Der französische Weihnachtsmann heißt Père Noël. Anders als der amerikanische Santa Claus tritt er nicht in Jacken und Hosen auf, sondern trägt ein langes, rotes Gewand mit Zipfelmütze. Seine Geschenke trägt er nicht in einem Sack, sondern in einer hotte (Korb) auf dem Rücken, ähnlich wie bei der Weinernte. Die Kinder stellen ihre Schuhe vor die Tür. Ein beliebtes Weihnachtslied der französischen Kinder ist „Petit Papa Noël“.

Ghana
Die Vorbereitungen in Ghana beginnen sehr früh. Sehr viele Leute sind in der Vorweihnachtszeit unterwegs, um Familie und Freunde zu besuchen - aber alle versuchen, am Heiligen Abend wieder zu Hause zu sein. Die Häuser werden dekoriert, ebenso ein Baum (Mango, Guave oder Cashew) auf dem Marktplatz. Das traditionelle Weihnachtsessen besteht aus gekochtem Reis, einem Ziegen- oder Hühnereintopf oder einer Ziegen- oder Hühnersuppe, Reis mit Huhn, Ziege oder Lamm und Früchten.

Großbritannien
Die Weihnachtstraditionen aus England wurden auch von den ehemaligen Kolonien in Nordamerika, Australien oder Neuseeland übernommen. An Heiligabend (Christmas Eve) werden die Geschenke durch den Weihnachtsmann, der hier Father Christmas heißt, unter den Weihnachtsbaum geliefert. Den Briten erscheint ihre Bezeichnung für den Weihnachtsmann als formeller als die amerikanische Version des Santa Claus. Am Weihnachtstag (Christmas Day) kommen Familien und manchmal auch Freunde zu einem traditionellen Weihnachtsmahl zusammen. Weihnachten wird häufiger als in einer durchschnittlichen Jahreszeit ferngesehen und für viele Fernsehstationen ist der Heiligabend der quotenträchtigste Tag des Jahres. Viele Briten verfolgen auch heute noch die jährliche Weihnachtsansprache der Königin. Eine der meist gehörten Radiosendungen ist die seit Jahrzehnten live übertragene nachmittägliche Feier der »Nine Lessons and Carols« aus dem King's College, Cambridge. Auch am 26. Dezember wird weiter gefeiert: Der Boxing Day im Vereinigten Königreich beziehungsweise St. Stephen's Day in Irland ist eine Erweiterung des Weihnachtsfests, hat aber historische und religiöse Wurzeln im Fest des heiligen Stephanus.

Kenia
Lustig gefeiert wird an Weihnachten in Kenia im Kreis der Familie. Am Heiligen Abend trifft man sich zu einem großen Festmahl. Danach haben die Kinder zu tun: Sie müssen das Haus reinigen, dekorieren und das Essen für den nächsten Tag vorbereiten. Am Morgen des 25. Dezembers wird eine Ziege geschlachtet, deren Fleisch in der Familie verteilt wird. Danach geht man von Haus zu Haus, um überall fröhliche Weihnachten zu wünschen und Geschenke auszutauschen. Zum Ausklang des Festes wird bis in den Morgen ausgelassen getanzt.

Mexiko
Kinder singen in einer Prozession mit dem Ast Veracruz in Mexiko
Die Mexikaner beginnen die Weihnachtsfeiern am 15. Dezember während der neuntägigen Posadas. In dieser Zeit symbolisiert man die Suche Maria und Josephs nach einer Herberge. Der Gastwirt lädt in sein Haus ein, man zerschlägt eine piñata, trinkt Ponche, ein Heißgetränk welches einer Bowle ähnelt und mit den typischen mexikanischen Früchten zubereitet wird, und man isst Buñuelos. Wird am Heiligabend gefeiert, isst man dann das Abendessen: Truthahn oder Kabeljau, Romeritos und andere Spezialitäten, die von Haus zu Haus verschieden sind. Um Mitternacht wird dann das Jesuskind in die Krippe gelegt, um zu symbolisieren dass es geboren wurde. Erst dann werden die Geschenke geöffnet.

Namibia
Bedingt durch die Vergangenheit als deutsche Kolonie werden in Namibia an Weihnachten viele, deutsche Traditionen gepflegt. Ein großer Unterschied besteht allerdings in den Temperaturen: Da der Dezember in den namibianischen Sommer fällt, herrschen teilweise Temperaturen von bis zu 40° Celsius. So berichtete mir die Besitzerin einer Gästefarm, auf der ich einmal zu Besuch war, dass sie die Wachskerzen bis kurz vor der Bescherung im Kühlschrank lagern würden, diese dann rasch am Baum anbringen und anzünden würden. Zum Singen gemeinsamer Weihnachtslieder blieben ihnen dann ungefähr 10 Minuten, bevor die Kerzen so weit geschmolzen wären, dass sie durch ihre Biegung kurz davor stünden, den Baum in Brand zu setzen.

Philippinen
Auf den Philippinen beginnt die Weihnachtszeit bereits am 16.12. und dauert bis zum ersten Sonntag im Januar! Das eigentliche Weihnachtsfest beginnt am 25.12. mit einer Mitternachtsmesse, gefolgt von einem Buffet mit einer Hühner-Reis-Suppe, Frühlingsrollen, gefüllten Fisch, Schinken, Nudelgerichten und Früchten. Beschenkt werden die Kinder von Oma und Opa. Der 26.12. gehört weiteren Familienbesuchen.

Spanien
In Spanien sind es traditionell die Heiligen Drei Könige, die den Kindern am 6. Januar an Stelle des Weihnachtsmanns oder des Christkinds Weihnachtsgeschenke bringen, wobei die unartigen Kinder statt Geschenken nur Kohlestücke erhalten. Hierzu wird in vielen spanischen Städten die Ankunft der Drei Könige in Form eines Umzugs am 5. Januar gefeiert. Die drei Könige kommen nicht selten auf Kamelen angeritten. Die Kinder müssen für sie am Vortag Wasser und Brot vor die Tür stellen.
Des Weiteren werden in Spanien traditionell keine Weihnachtsbäume aufgestellt, sondern die Wohnungen lediglich mit Weihnachtskrippen geschmückt. In den Straßen hängen Lichterketten mit Glückwünschen oder Sterndekorationen zwischen den Häuserzügen.
Seit den 1980er Jahren kommen allerdings verstärkt mitteleuropäische und angelsächsische Traditionen wie der Weihnachtsbaum auf. Ein weiterer Grund für die Beschenkung durch den Weihnachtsmann am 24. Dezember ist, dass spanische Schulkinder ihre Geschenke so zu Beginn der Ferien erhalten und Zeit zum Spielen haben, was bei einer Beschenkung durch die Heiligen Drei Könige am letzten Ferientag weniger der Fall ist.
Am 22. Dezember findet in Spanien alljährlich die ausgesprochen beliebte Weihnachtslotterie Sorteo de Navidad statt.

Tschechien
Am 24. Dezember, dem Štědrý den, werden in Tschechien abends Geschenke gegeben. Sie sollen von Ježíšek, dem Jesuskind, kommen. Vor dem Weihnachtsmahl und dem anschließenden Geschenkeauspacken soll man nichts essen.
Andere tschechische Weihnachtstraditionen beinhalten Zukunftsdeutungen. Äpfel werden kreuzweise geschnitten: Wenn ein Stern im Kern erscheint, steht ein gutes Jahr bevor, erscheint ein Kreuz, wird es ein schlechtes Jahr geben. Mädchen werfen Schuhe über ihre Schultern, um zu schauen, ob eine baldige Heirat bevorsteht. Dies soll eintreten, wenn der Spitz zur Türe zeigt. Auch Zinngießen gehört zu dieser Art von Tradition.

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